JOHANNES LANDSCHAUER
Ein Auge für Motive
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REISEBERICHT LOFOTEN 2022

Zauberhafte Lichtstimmungen & faszinierende Polarlichter
Lofoten im Winter – ich mag Kälte nicht so gern und so hatte ich schon im Herbst Angst davor, im Winter in den Norden zu fliegen. Bereits 4 Monate vorher kaufte ich Unterwäsche und Rollkragenshirts aus Merinowolle, Thermohosen, spezielle Winterschuhe und auch eine Winterjacke, die den Namen verdient und nicht nur schön aussieht. Im Dezember sah ich zu Hause nachts aus dem offenen Fenster und dachte mir: „Jetzt möchte ich da nicht raus – wie soll das erst über dem Polarkreis werden, wenn mein Mann stundenlang im Kalten stehen wird, um Polarlichter zu fotografieren?“ Um es kurz zu fassen – ich war und bin noch immer begeistert!!!! Die Lofoten im Winter sind für mich zu einem Sehnsuchtsziel geworden und wir werden – wenn irgendwie möglich - sicher wieder hinfliegen. Aber alles der Reihe nach: Der Hinflug war für mich eine Katastrophe! Von Wien über Oslo bis Bødø war der Flug unproblematisch, aber bereits bei der Ankunft in Bødø war ein Schneesturm. Unser Flug von Bødø auf die Lofoten mit Wideroe (eher kleines Flugzeug) war dann auch noch verspätet, weil es technische Probleme gab. Nach dem Einsteigen, wir saßen in der 2. Reihe, sah ich dann wie ein Techniker mit dem Schraubenschlüssel in das Cockpit ging und somit war es für mich klar, dass wir abstürzen. Ja, ich weiß – ich bin ein Angsthase, aber in diesem Moment hatte ich richtig Angst. Der Pilot war aber entspannt - er meinte noch, wir hätten ein tolles Wetter auf unserem Flug auf die Lofoten. Und es war dann auch wirklich ganz OK - nachdem wir die Wolkendecke durchbrochen hatten und der Schneesturm unter uns lag, war der Flug eigentlich ganz ruhig. Und so begann unser Winterurlaub im Februar 2022 auf den Lofoten. Nach unserer Ankunft in Leknes und nachdem wir den Leihwagen übernommen hatten, fuhren wir in den erstbesten Supermarkt (REMA 1000), um uns mit Lebensmittel einzudecken. Hotels auf den Lofoten sind rar gesät und so übernachtet man in sogenannten Rorbu. Diese, meist roten Hütten waren früher Fischerhütten, die heute speziell für Touristen gebaut werden und meist auch über eine kleine Küchenzeile verfügen. Ein paar Restaurants findet man im Sommer, aber im Winter sind fast alle geschlossen, sodass man gezwungenermaßen zum Selbstversorger wird – was aber für uns kein Problem darstellte. Ein Restaurant in Sakrisoy möchte ich aber unbedingt erwähnen: Anita´s Seafood hat im Februar leider nur von 12:00 - 15:00 Uhr geöffnet, aber die Fischburger mit Lachstopping sind der absolute Traum und wir waren jeden Tag dort Mittagessen! Wir buchten für 4 Nächte eine kleine Wohnung im Reinefjorden Sjohus auf Hamnoya und blieben anschließend noch für 1 Nacht im Lofoten Basecamp (in der Nähe von Haukland Beach), bevor wir anschließend mit Hurtigruten von Svolvaer nach Bergen fuhren, von wo aus wir unseren Rückflug über Oslo nach Wien antraten. Beide Unterkünfte auf den Lofoten waren perfekt für uns und wir werden das nächste Mal beide wieder genau so buchen. Was gilt es nun zu beachten, wenn man im Winter auf die Lofoten fliegt? Da die Lofoten in der Nähe des Golfstroms liegen, war es nicht so kalt wie gedacht – es hatte so um die 0° C und ich denke es war das erste Mal, dass ich im Winter nicht gefroren habe – was wahrscheinlich an meinem tollten Winteroutfit lag, das dieses Mal nicht aus modischen Gründen gekauft wurde. Aber man darf das Wetter nicht unterschätzen, mit einer Jeans ist man falsch angezogen und in den Wochen vor bzw. nach unserem Aufenthalt hatte es um die -10°C und 60 km/h Wind. Wichtig ist ebenfalls, dass das Leihauto Spikes hat und man selbst über Spikes verfügt, die man über die Schuhe zieht. Sobald man das Auto verlässt, steht man auf blankem Eis, denn auf den Lofoten werden die Straßen NICHT gestreut. Es gibt auch keine Gehsteige und wenn man sich im Dunkeln auf der Straße bewegt, muss man sehr aufpassen, denn die Norweger sind nicht daran gewöhnt, dass sich Leute auf der Straße befinden – wenn, dann sind das nur die Touristen. Was nun das Wetter angeht, so muss man mit allem rechnen und das mit einem Abstand von 10 – 20 Minuten. Dies hat natürlich den Vorteil, dass sich auch ein Schneesturm schnell wieder verzieht und die Wolkenstimmungen für Fotografen sind schlichtweg fantastisch! Überhaupt das Licht – dieses flache Licht zaubert eine Stimmung, die einen gefangennimmt. Und so bewegt man sich bei Tageslicht – im Februar zwischen 9:00 und 17:00 Uhr – von einem Fotohotspot zum anderen, hinter jeder Kurve findet man ein Fotomotiv, die Stimmung ändert sich viertelstündlich, die Wolken ändern Farbe und Form und wenn man Glück hat sieht man sogar einen Orca/Schwertwal. Seit kurzem kommen Orcas im April/Mai in den Reinefjord, aber einer hatte sich bereits im Februar dorthin „verirrt“ und ich hatte das Riesenglück ihn zu sehen. Am Weg nach Svolvaer blieben wir noch eine Nacht in der Nähe von Haukland Beach und Uttakleiv Beach. Eigentlich wollten wir von Haukland nach Uttakleiv wandern, aber leider war die Zeit viel zu kurz. Mehr Bilder unseres Winter- urlaubs auf den Lofoten findet ihr auf der Länderseite / Norwegen 2022. Und wenn es dann dunkel wird, macht man sich auf die Suche nach den Polarlichtern. Es gibt ein paar Internetseiten, die einem dabei helfen herauszufinden, wo, wann der Himmel aufreißt und man mit etwas Glück Polarlichter beobachten kann. Aber erwartet euch nicht zu viel. So schön grün bzw. färbig wie auf den Bildern, sieht man sie nur, wenn es vorher wirklich einen massiven Sonnensturm gab. Sonst sieht man weißgraue Bänder oder Flecken, die sich über den Himmel ziehen. Unser erstes Polarlicht entdeckten wir beim Skagsanden Beach, in der Nähe von Flakstad, weil sich am Himmel etwas abzeichnete, das für uns Mitteleuropäer seltsam bzw. nicht gewohnt aussah. Durch die Fotokamera konnten wir dann erkennen, dass es wirklich eine Aurora Borealis war. Und dafür ist auch eine Kamera mit lichtstarkem Objektiv notwendig, Handykameras tun sich schwer bzw. erkennen nichts und man sieht nur einen schwarzen Himmel. Manche „Spezialisten“ bleiben auch im Auto sitzen, bei eingeschaltetem Licht und warten auf das Polarlicht – aber da warten sie ewig. Vielleicht hatten wir Glück, aber wir denken, dass die Wahrscheinlichkeit Polarlichter zu sehen sehr groß ist, sobald sich die Wolken verziehen! Hier findet ihr mehr Polarlichter im Zeitraffer. Ein paar Internetseiten, die weiterhelfen: 1. Bei Kachelmann sieht man den Bedeckungsgrad, Sonnenscheindauer, Niederschlag, etc.: https://kachelmannwetter.com/at/vorhersage/3154004-hamnya/kompakt 2. Die norwegische Seite YR ist auch gut: https://www.yr.no/nb/v%C3%A6rvarsel/graf/1-272736/Norge/Nordland/Moskenes/Hamn%C3%B8ya 3. Die Seite von windy.com fanden wir am besten, sie zeigt sehr viele Details und hilft bei der Jagd nach dem Polarlicht: https://www.windy.com/68.199/13.542?67.918,14.186,8,m:fyOagxJ 4. Es schadet auch nicht, wenn man sich über die Gezeiten informiert, damit man beim Fotografieren weiß, ob das Meer kommt oder geht: https://de.tideschart.com/Norway/Nordland/Moskenes/ Nach insgesamt 5 Nächten auf den Lofoten gingen wir an Bord der MS Polarlys (Hurtigruten) und verbrachten die nächsten 3 Tage am Schiff. Jemand fragte mich einmal, was man am Schiff den ganzen Tag macht, vor allem, wenn es schon um 17:00 dunkel wird. Ehrlich, nichts Spezielles, wir wissen es nicht mehr - wir wissen nur, dass uns keinen einzigen Moment langweilig war. Der Kapitän gibt auch immer über Lautsprecher bekannt, wenn es Polarlichter zu sehen gibt, sodass man nicht die ganze Zeit in der Kälte stehen muss. Erwähnen möchte ich auch, dass ich abends, wenn der Horizont im Dunkeln verschwunden ist, seekrank wurde. Tabletten dagegen bekam ich direkt am Schiff, ich nahm sie dann so gegen 20:00 Uhr und wurde gegen 21:30 richtig schön müde. Der Wellengang ist im Winter dann doch etwas intensiver, denn im Sommer hatte ich keine Probleme. Im Sommer waren wir auch durchgehend in der Panoramalounge auf Deck 7, das war im Winter aufgrund meiner Seekrankheit nicht möglich, daher machten wir es uns auf Deck 4 gemütlich. Ich hatte auch einen Krimi als Hörbuch dabei, denn Lesen wäre mir nicht möglich gewesen. Bereits auf unserer Sommerreise genoss ich es Hörbuch zu hören und dabei zu sehen wie die Landschaft vorbeizieht. Mit dem Wetter hatten wir Glück und die „Sieben Schwestern“ waren zu sehen – die Bergkette, die ich unbedingt sehen wollte. Außerdem ist es wirklich ein Erlebnis, wenn einem an Bord der Wind entgegenbläst, sodass man sich richtig dagegenstemmen muss, um sich vorwärtszubewegen. Vielleicht fühlt man sich gerade deshalb so lebendig, weil man Natur und Wetter ausgesetzt ist – etwas, das man zu Hause ja eher vermeidet, da gehen wir ins Warme, wenn es draußen kalt und windig ist. Dies war ja bereits unser zweiter Aufenthalt auf einem Hurtigrutenschiff und interessanterweise fand ich es im Winter viel interessanter – bei unserem ersten Aufenthalt im Juni hatte ich nach zwei Tagen genug. Was soll ich sagen, kaum zu Hause begann ich bereits unsere zweite Winterreise nach Norwegen zu planen, im Februar 2024 oder 2025 soll es wieder so weit sein und wir freuen uns bereits jetzt darauf!!!